Soziales Lernen

Die bewusste Vermittlung personaler und sozialer Kompetenzen ist als Aufgabe der Schule in den Bildungsplänen verankert. Auch im Unterrichtsalltag ist das Thema ‚soziales Lernen‘ zentral. Um den Unterricht für die Schülerinnen und Schüler effektiv gestalten zu können, braucht es nicht nur verbindliche Vereinbarungen und Regeln für das Verhalten jedes Einzelnen in der Klasse – es bedarf auch eines sozialen Miteinanders, so dass Lernen  im Unterricht, in der Klasse und letztendlich in der gesamten Schule gelingen kann.

Ein Sozialcurriculum stellt hierbei eine wesentliche Hilfe dar: Es beschreibt eine gemeinsame Zielsetzung und welche Aspekte des sozialen Lernens an einer Schule besonders gefördert werden. Das Sozialcurriculum ist eine Basis für gemeinsame Diskussionen über soziales Lernen aller am Schulleben Beteiligter.

Das von der Schulgemeinschaft des Gymnasiums Korntal-Münchingen in den Jahren 2008 bis 2010 entwickelte Leitbild bildet die Grundlage unseres Sozialcurriculums. Zum Sozialcurriculum am Gymnasium Korntal-Münchingen gehören zahlreiche Angebote, Projekte und Aktivitäten, die Schülerinnen und Schüler zu einem sozialen und verantwortlichen Miteinander in der Schule und der Gesellschaft anleiten. Diese werden im Folgenden tabellarisch aufgeführt.[1]

[1] Nach: Ripplinger, Jürgen. In 3 Schritten zu einem Sozialcurriculum. Wie Schulen bestehende Bausteine sozialen Lernens vernetzen können. Agentur für Soziales Lernen GmbH, Stuttgart.

Soziales Lernen: Vom Ich zum Wir

Die gymnasiale Bildungs- und Erziehungsarbeit fördert insbesondere die Entwicklung von Toleranz, Solidarität und Verantwortung.

Auf der Basis personaler Kompetenzen, die wir am Gymnasium Korntal-Münchingen in einem ersten Schritt stärken, bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern viele Gelegenheiten, ihre sozialen Kompetenzen im Miteinander und Füreinander zu entwickeln und zu erproben. So lernen sie, mit sich selbst und anderen angemessen umzugehen.

Der Tag der Klasse gibt zu Beginn des Schuljahres dem Kennenlernen der Schülerinnen und Schüler in der neuen Klasse Raum. In der Klassenlehrerstunde, die ganzjährig stattfindet und von den Klassenlehrern betreut wird, werden die sozialen, emotionalen und kommunikativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler gefördert. Eine gute Gemeinschaft steht ebenso wie gesundes Selbstvertrauen und klärende Kommunikation auf dem Programm. Es werden gemeinsam Klassenregeln erstellt. Ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer arbeiten mit Lions Quest-Erwachsen werden, einem Programm von Lions Club International. Das Patenprogramm und die SMV tragen mit einem vielfältigen Angebot an zusätzlichen Aktivitäten ebenfalls zu einem besseren Kennenlernen bei. Frau Hanl, die Sozialarbeiterin am Gymnasium Korntal-Münchingen, bietet auf Nachfrage der Klassenlehrer das Projekt „Klassenrat“ an. In drei Doppelstunden (während der Unterrichtszeit) lernen die Schülerinnen und Schüler, auftauchende Probleme innerhalb der Klasse selbst zu regeln.

Im Zugtraining zu Beginn des Schuljahres erfahren die Schülerinnen und Schüler, was den Schulweg mit der Bahn sicherer gestaltet. Ein gemeinsames Klassenkonzert rundet das breite Angebot an Aktionen und Aktivitäten für die Klassen ab.

Im Herbst steht der erste erlebnispädagogische Tag auf dem Programm; dieser ist für alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 6 verpflichtend. Die Klassenlehrerstunde und die in Klasse 5 angelegten Strukturen des sozialen Lernens werden fortgeführt.

Im Laufe des 6. Schuljahres fahren unsere Schülerinnen und Schüler ins Schullandheim. Dieser Aufenthalt im Schullandheim wird unter dem Aspekt der Stärkung der Klassengemeinschaft und der Förderung des sozialen Miteinanders ausgewählt. So sind beispielsweise ein Segelkurs, eine erlebnispädagogische Woche im Schwarzwald oder Allgäu, oder auch ein Skischullandheim möglich.

Die Klassenlehrerstunde wird ein weiteres Halbjahr fortgesetzt (Neuerung ab SJ 2017-18), die in Klasse 5 und 6 angelegten Strukturen des sozialen Lernens werden fortgesetzt. Von Klasse 7 an können sich die Schülerinnen und Schüler in der Ersthelfer-AG engagieren. Die Teilnahme an dem Projekt Mitmachen Ehrensache- Jobben für einen guten Zweck, einer Aktion der Jugendstiftung Baden-Württemberg und der Stuttgarter Jugendhaus gGmbH ist in Klasse 7 erstmalig möglich.

Mitmachen Ehrensache ist ein vom Land Baden-Württemberg gefördertes Programm, das vorsieht, dass Schülerinnen und Schüler einen Tag, beispielsweise in einem Betrieb, arbeiten, und den in dieser Zeit verdienten Lohn für ausgewählte soziale Projekte abführen. Die Teilnahme ist freiwillig.

Ein weiteres Halbjahr wird eine Klassenlehrerstunde angeboten und das soziale Lernen fortgeführt (Neuerung ab dem SJ 2018-19). Die Klassen finden gemeinsam ein Sozialprojekt, d.h. ein Projekt in dem sie sich in diesem Schuljahr gemeinsam engagieren.

Die Fachlehrer des Fachbereichs Religion und Ethik bereiten mit Schülerinnen und Schülern, die sich freiwillig engagieren, den Seniorennachmittag der Christuskirche im Advent vor.

Zwei in Erlebnispädagogik ausgebildete Lehrer der Schule führen mit den Klassen einen erlebnispädagogischen Tag durch, bei dem es vor allem um gemeinsame Problemlösungen geht. Wir versprechen uns davon ein besseres Miteinander und einen stärkeren Zusammenhalt in der Klasse, da erfahrungsgemäß gerade in der Mittelstufe pubertäre Probleme zu sozialen Konflikten führen können.

Ab Klasse 8 können Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Austauschprogrammen und Auslandsfahrten teilnehmen, diese bieten vielfältige Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten außerhalb des regulären Unterrichts und stärken die individuelle Persönlichkeitsbildung unserer Schülerinnen und Schüler.

 

Die Schülerinnen und Schüler absolvieren das Sozialpraktikum, das eine Schulwoche umfasst, und in einer karitativen Einrichtung in der nahen Umgebung der Schule durchgeführt wird. Das Praktikum wird von den Lehrerinnen und Lehrern der Fachschaft Religion/Ethik inhaltlich vorbereitet und eng begleitet. Auf diese Weise kommen die Schüler mit ehrenamtlicher Tätigkeit und sozialen Berufen in Kontakt und lernen andere Lebenswelten kennen. Über ihre Erlebnisse schreiben sie einen Bericht. Am Informationsabend für die Eltern präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen.

In Klasse 9 ist ein Vormittag den Umgangsformen gewidmet. Frau Hanl führt den Kurs „UFO“ (Umgangsformentraining) durch. Insbesondere im Hinblick auf das Sozialpraktikum und das BOGY in Klassenstufe 10 wird richtiges, d.h. der Situation angemessenes Auftreten und Verhalten wichtig (Bewerbung, Bewerbungsgespräch).

Die Schülerinnen und Schüler dieser Stufe können die neuen Fünftklässler als Paten unterstützen. Sie gestalten den Fünfernachmittag (am zweiten Freitag im Schuljahr), führen im Laufe des Schuljahres mit den Fünfern verschiedene Unternehmungen durch (Ausflüge, Tischtennisturnier u.ä.) und stehen grundsätzlich als Ansprechpartner für vielerlei Anliegen zur Verfügung. Ziel dieser Patenschaft ist es, die neuen Fünftklässler an unsere Schule heranzuführen, die Schulgemeinschaft und das soziale Miteinander, hier v.a. der älteren und der ganz jungen Schülerinnen und Schüler, zu stärken.

Ab Klasse 10 können die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms die Hausaufgabenbetreuung übernehmen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich als SchülermentorIn (v.a. in den Fächern Sport und Musik) ausbilden zu lassen, um mit dieser Ausbildung andere Schüler im Rahmen einer AG anzuleiten.

Das BOGY, das in Klasse 10 verpflichtend durchgeführt wird, fördert die individuelle Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler und öffnet die Schule für praxisbezogenes Lernen.

Alle Klassenstufen

Bei Streitfällen zwischen Schülerinnen und Schülern oder auftretenden Mobbingfällen wird unter Zuhilfenahme von bewährten, der jeweiligen Situation angepassten Strategien, interveniert. AnsprechpartnerInnen sind hierbei sowohl die Schulsozialarbeiterin Frau Hanl als auch die Streitschlichter. Die Beratungslehrerin Frau Wackerow unterstützt Schülerinnen und Schüler bei Schul- und Lernschwierigkeiten, wie zum Beispiel Konzentrations- und Motivationsproblemen oder Prüfungsangst. Die Schulseelsorge Frau Dr. Froese steht Schülerinnen und Schülern in Krisen- und Konfliktsituationen bei.

Engagierte Schülerinnen und Schüler setzen sich im Schülerrat, der SMV und Schulkonferenz für die Belange der Schülerschaft ein.

Der Klassenrat wird über die Klassenlehrerstunde hinaus als bewährtes Mittel in vielen Klassen derMittelstufe weitergeführt.

Über alle Klassenstufen hinweg findet eine breite Palette an weiteren, häufig direkt mit dem Unterricht verknüpften, Aktivitäten statt, die die Sozialkompetenz unserer Schüler stärken: SMV-Veranstaltungen, Schulfest, Wandertag, Klassenfest, Schüleraustausch, etc.

Im Bereich Prävention werden Schülerinnen und Schüler im Unterricht und auch darüber hinaus an eine Vielzahl wichtiger Themen herangeführt. Suchtprävention und Medienprävention spielen wie auch das Thema Gesunde Ernährung und Ess-Störungen eine große Rolle. Im Schuljahr 2016-17 wird erstmals probeweise ein Präventionstag durchgeführt, bei dem alle Klassen sich mit unterschiedlichen Themen aus dem Bereich Prävention auseinandersetzen.

 

Christina Metschar, Anne Neudeck